Fünf Fragen

Ann-Katrin Gallinat: Um meinen Traum zu verwirklichen, musste ich meine eigenen Grenzen sprengen.

Ann-Katrin Gallinat hat 2018 den ersten Gastronomie Podcast „Theken-Talk“ ins Leben gerufen. Seitdem interviewt sie Gastronomen mit innovativen Konzepten und führt uns hinter die Kulissen dieser wunderbaren Branche. Auch ich habe mein Herz an die Gastronomie verloren und kann gut verstehen, warum Ann-Katrin nach einem kurzen Ausflug in die Steuerberatung, ihren Weg zurück, zu ihrem Happy Place einschlug. Ann-Katrin ist ein offener, herzlicher und sehr geerdeter Mensch. Was sie antreibt? Ein wunderschönes Motto: „Happiness is not a destination, its a way of life“. Ihre große Vision ist es, andere Menschen zu ermutigen, ihren Traum zu verwirklichen, ihn zu leben und das Glück nicht aufzuschieben.

Der Weg in die Selbstständigkeit erfordert Mut. Fokussiert den eigenen Weg zu gehen und alle Hürden, zu überwinden, erfordert neben Mut, vor allem Durchhaltevermögen. Um ihr Ziel zu erreichen, musste Ann-Katrin sich einer sehr großen, wenn nicht sogar ihrer größten Angst stellen. Welche das ist, erzählt sie ganz offen und selbst reflektiert im Interview. Außerdem verrät sie, welche Geschichte eines Gastronomen sie besonders berührt hat, welches Konzept ihr im Gedächtnis geblieben ist und wie sie sich die Gastronomie der Zukunft vorstellt.

Viel Spaß beim Lesen.

  1. Du hast Dich 2018 mit Deinem Podcast „Theken-Talk“ und der Gastronomie Beratung selbstständig gemacht. Was war für Dich die größte Herausforderung einen Podcast zu starten?

Ich bin ein Mensch, der sich gerne Unterstützung von außen holt. Die „Podcast Meisterschule“ von Tom Kaules, hat mir am Anfang sehr geholfen. Dort lernte ich wertvolles Basiswissen (wie ich starte, Technische Umsetzug in Bezug auf das Schneiden, Hosting, Veröffentlichen und Einbinden der Folge auf der Webseite). Auch Möglichkeiten zur Reichweitenerhöhung oder Verdienstmöglichkeiten durch den Podcast waren Thema. Ich habe gelernt, wie ich eine erfolgreiche Aufnahme erstelle, wie ich diese bearbeite aber auch Aspekte wie die Vermarktung des Podcasts und Launch-Strategien waren Inhalte des Kurses.

Die technischen Hürden sind das eine. Schwerer wurde es bei meinen persönlichen Herausforderungen. Ich leide schon immer unter einer extremen Redeangst. Wenn ich früher vor anderen Menschen sprechen musste, selbst wenn ich diese kannte, bekam ich schon Tage vorher Zitteranfälle. Mich meiner Angst zu stellen, die mich so einschränkte, war mental die größte Hürde.

Durch Persönlichkeitsentwicklung, 1 zu 1 Coachings und vor allem auch mit der Teilnahme an der Puplic Speaking University von Tobias Beck, habe ich meine Angst in den Griff bekommen und hinter mir gelassen.

Mich mit mir selbst zu beschäftigen, hat geholfen meine eigenen Grenzen zu sprengen und meine Glaubenssätze aufzulösen. Der Podcast ist meine Eigentherapie.

Vor dem Veröffentlichen der ersten Folge hatte ich totale Angst. Wenn die Folge hörbar ist, wusste ich, mache ich mich nicht nur sichtbar, sondern auch angreifbar. Ich hatte einfach Respekt vor dem Fakt, dass ich Bewertung von außen bekommen werde.

Als die Folge dann endlich online war, spürte ich Erleichterung. Ich bekam schnell Feedback, auch damit musste ich erst lernen umzugehen. Auf einmal kommt von allen Seiten ein Tipp, ein Ratschlag, Verbesserungsvorschläge aber auch Lob und Zuspruch. Das zu sortieren, nicht alles zu persönlich zu nehmen und konstruktiv damit umzugehen, ist ein Prozess.

2. Welcher Gastronom mit welcher Geschichte ist Dir besonders im Gedächtnis geblieben und warum?

Das ist super schwer zu beantworten. Es sind so viele unterschiedliche Menschen, nicht vergleichbare Konzepte und jeder hat das gewisse Etwas.

Letztes Jahr habe ich ein neues Format angefangen, den Theken Small Talk. Die dort erzählten Schicksale, gingen mir immer sehr nah. Besonders die Familie Eigler aus Leipzig ist mir im Gedächtnis geblieben. Sie haben alles für Ihren Gastronomie Traum gegeben. Dabei viele Kompromisse gemacht. Das Unternehmen wurde über Jahre mit viel Fleiß und Verzicht aufgebaut. Das Familienleben litt zeitweise stark unter der Selbstständigkeit. Durch Corona ist der Betrieb extrem getroffen – wie es weitergeht müssen die nächsten Monate zeigen. Vermutlich müssen sie ihren Betrieb aufgeben und somit ihr Lebenswerk fallen sehen. Solche Geschichten gehen mir sehr nah.

Als Vorreiter beim Thema Digitalisierung fällt mir direkt das Beets & Roots in Berlin ein. Die haben bereits vor zwei/drei Jahren angefangen umzudenken. Essen soll ein Erlebnis sein. To Go Speisen haben es schwerer den Gast mit der Optik zu überzeugen. Dieser Herausforderung hat sich Beets & Roots angenommen. Für viele Gastronomen hört die Dienstleistung am Kuchenpass auf. Beets & Roots hat verstanden, dass der Weg vom Küchenpass bis zum Gast, Beachtung und Planung braucht. Sie haben viel probiert und getestet damit sie ihre Speisen für To Go Gäste optimieren und dem Gast ein schönes Erlebnis schenken können. Beets & Roots besticht mit einer neuen Denkweise und einer fundamentalen Anpassung bei der Konzeption. Sie haben früh Prozesse entwickelt und ihren Gästen die Möglichkeit gegeben, online zu bestellen, direkt zu bezahlen. Für Mittagsgäste optimal, da sie sich in keine Schlange einreihen müssen und ihr Essen direkt mitnehmen können. Super Kundenorientiert.

3. Wonach suchst Du Deine Interview Partner aus?

Mir ist wichtig, dass die Gastronomen eine Wertschätzung für den Gast haben. Sie sollten innovativ sein, die Speisen selbst herstellen und auf einen hohen Qualitätsanspruch achten. Einfach Liebe zum Beruf, zur Gastronomie, zum Gast vermitteln, Ihre Werte leben und das gewissen Etwas bieten. In meinem Bekanntenkreis habe ich ein paar Gastroaffine Menschen, auf deren Meinung ich vertraue. Wenn wir uns austauschen, bekomme ich immer mal wieder eine Empfehlung für einen neuen Interviewgast. Aber auch auf Foodblogs und Instagram recherchiere ich für meinen Podcast. Ich halte immer Augen und Ohren offen und komme so meist auf neue Betriebe.

4. Was sind Deiner Meinung nach, die Gastronomie Konzepte der Zukunft?

Gastronomie Betreiber müssen zukünftig auf mehrere Standbeine setzen. Zum Beispiel die Restaurantfläche als Verkaufsfläche nutzen. Produkte wie: Gewürze, selbst zubereitete Speisen im Glas, Dekorationsartikel oder Geschirr eigenen sich prima dafür. Durch Corona haben viele Gastronomen Frühstücks,- Lunchboxen, oder auch 3-4 Gänge Menüs in Boxen angeboten. Das kommt super an und wird sicherlich weiterhin von Interesse sein.

Der Fokus der Gäste hat sich geändert, es wird viel Wert auf Qualität, Nachhaltigkeit und die Nutzung von regionalen und lokalen Produkten gelegt.

Auch die Speisekarten haben sich verändert. Weniger ist mehr – es braucht keine Riesen Auswahl mehr. Lieber eine kleine Karte mit durchdachten Speisen von guter Qualität. Um Variation auf der Speisekarte anzubieten, ist es sinnvoll eine vegane Basis zu konzipieren, die dann mit verschiedenen Add-ons /Toppings für unterschiedliche Geschmacksrichtungen aufgewertet werden kann.

Sharing Konzepte werden zunehmen. Die Flächen müssen vielfältig nutzbar gemacht werden. Einige Vorreiter gibt es bereits, auch Plattformen, die sich auf dieses Thema fokussiert haben, sind bereits aktiv.

Gäste zu Stammgästen machen, zum Beispiel mit kleinen Aufmerksamkeiten, wertschätzendem Verhalten und einem Zielgruppenorientiertem Angebot.

Gastronomie Erlebbar machen. Schaffe ein Allround Erlebnis für Gäste.

Wie das geht? Das Restaurant Blitz im Deutschen Museum bereitet zum Beispiel die Guacamole direkt am Tisch zu. Es sind die kleinen Dinge, die schon einen großen Einfluss haben können.

Der Hauptfokus wird nach Corona wieder der Inhouse Restaurantbetrieb sein. Aber können Gastronomen mit weniger Sitzplätzen weiterhin ihr Konzept fahren? Um wirtschaftlich zu bleiben müssen Betreiber ihr Konzept dem „Neuen Normal“ anpassen und gerade für den kommenden Winter 2021 gerüstet sein. Die Überbrückungshilfen werden nicht dauerhaft ausbezahlt werden können. Es heißt also, angreifen, selbst dafür sorgen, dass der Betrieb läuft. Gastronomie muss zukünftig flexibler sein und sich vor allem digital besser aufstellen.

5. Du bietest als Coach eine Beratung für Gastronomen an. Wer genau sind Deine Kunden?

Ich bin spezialisiert auf die Beratung von Cafégründern. Gemeinsam mit Stephanie Bjarnason vom Café Blá habe ich den Online Workshop „Dein Traum vom eigenen Café“ entwickelt. Mit dem Workshop sprechen wir vor allem Quereinsteiger an. Ziel ist es, einen realistischen Einblick zu geben und Basis Wissen zu vermitteln. Wir wollen nicht, dass blauäugig an die Cafégründung rangegangen wird. Unser Workshop bietet einen Überblick über die Themen, die bei einer Café-Gründung und auch für das Schreiben des Businessplans wichtig sind:

  • Entscheidungsphase: Persönliche Voraussetzungen, Konzept & Positionierung, Investition & Finanzierung
  • Gründungsphase: Unternehmensgründung, Standort & Raumgestaltung, rechtlicher Rahmen
  • Aufbau und Wachstumsphase: Mitarbeiter, Marketing, Finanzen mit Zahlen aus der Praxis

Zusätzlich zum Workshop haben wir eine Facebook Gruppe für Cafégründer erstellt. Dort können sich die Mitglieder untereinander austauschen und vernetzen. Wir bieten aber auch für bereits erfahrene Gastronomen eine Beratung an. Was uns von anderen absetzt, ist unsere Coaching Ausbildung mit Schwerpunkt auf Persönlichkeitsentwicklung. Wir können unseren Kunden neuste Coaching Übungen und Methoden an die Hand geben. Das hilft Struktur und Klarheit zu schaffen und das gesetzte Ziel zu erreichen. In regelmäßigen Calls schauen wir, wo wir praktische Hilfestellung geben können. Ein klassisches Beispiel im Bereich Gründungsberatung ist die Unterstützung beim Thema einer Mitarbeiterplanung, Raumplanung oder der Geräteplanung.

Bei uns gibt es keine „one fits all“-Lösung. Wir schauen uns immer an, wo steht der Kunde, welche Vorkenntnisse sind vorhanden, was sind die Bedürfnisse und wo müssen wir ansetzen. Die Beratung ist immer sehr individuell gestaltet. Ich bin IHK-Beraterin für Bayern und kann somit auch bei Förderprogrammen helfen. Teilweise können Gründer sich 70% der Kosten für eine Beratung oder Coaching erstatten lassen. Das lohnt sich enorm für unsere Kunden, gerade bei der doch sehr kostensensiblen Gastrobranche.

Langfristig möchte ich mich nicht nur auf die Gastronomie Beratung begrenzen. Ich bin offen für weitere Schwerpunkte und sehe die Zielgruppe der Cafégründer als Start in das Berufsfeld des Coaches.

Durch meinen Podcast habe ich mir meinen Traum der Selbstständigkeit erfüllt. Nun möchte ich andere Menschen dazu ermutigen, unterstützen und belgeiten, den Schritt zu wagen und ihren persönlichen Traum zu leben.

Ann-Katrin

@theken_talk

Ann-Katrin ist 33 Jahre alt, Mama eines Sohnes und lebt im Münchner Umland. Seit 2018 ist sie selbstständige Gastronomie Beraterin und gibt Workshops für Quereinsteiger mit dem Wunsch ein eigenes Café zu eröffnen. Mit ihrem Podcast „Theken-Talk“ erreicht sie durchschnittlich 2000 Menschen pro Monat. Mit ihrem Traum einmal eine Hoteltesterin zu werden, startete Ann-Katrin ihre Karriere im Münchner Vier Jahreszeiten. Dort absolvierte sie ihre Hotelfachausbildung und schärfte ihre Sinne für die Hotel,- und Gastronomie Branche.

Mit dem Ende der Ausbildung war auch der Traum der Hoteltesterin dahin. Ann-Katrin packte ihre Koffer und schnupperte für 2 ½ Jahre Auslandsluft. Erst in Kanada, später in Australien. Wieder in Deutschland angekommen studierte sie BWL und kehrte der Gastronomiebranche erstmal den Rücken. Nach einem Ausflug zu Ernst & Young mit dem Fokus auf Steuerberatung absolvierte Ann-Katrin die „Podcast Meisterschule“ und lebt seitdem Ihren Traum der Selbstständigkeit.

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