Life as a freelancer

Mein Weg aus der Selbstständigkeit zurück in die Festanstellung

Während meiner Zeit als selbstständige Event,- und Projektmanagerin habe ich schöne Vorteile des Freelancer Daseins und des selbst bestimmten Arbeitens kennen gelernt. Allerdings spürte ich nach einer kurzen Zeit bereits welche Nachteile es für mich persönlich mitbringt. Die fehlenden Kollegen und der Büroalltag waren für mich letztendlich auch der Punkt, warum ich nach einem Jahr wieder in die Festanstellung zurück wollte. Es ist schon sehr anderes allein im Home-Office zu arbeiten, diszipliniert zu sein und sich stetig selbst zu motivieren. Der ein oder andere Kollegen Plausch, die gemeinsamen „Kaffeekränzchen“ oder Mittagspausen fehlten mir sehr. Auch habe ich gemerkt, dass meine Kreativität am stärksten ist, wenn ich mich mit Kollegen im Meeting austauschen konnte - gemeinsam stark sein! Das trifft sehr auf mich und meine Arbeitsweise zu.

Die ersten Wochen meiner Selbstständigkeit waren fantastisch. Ich war sehr motiviert und konnte prima im Home-Office arbeiten. Gerade in der Anfangsphase, als alles neu und aufregend war, ich viel Organisatorisches erledigen musste, war die freie Zeiteinteilung von Vorteil. Auch das Selbstbestimmte Arbeiten motivierte mich enorm.

Nach den ersten Monaten des Alleine Arbeitens schlich sich bei mir eine Unzufriedenheit ein. Ich merkte, dass ich den sozialen Austausch mit Kollegen, sowie einen Arbeitsplatz außerhalb meiner persönlichen Vier Wände vermisste.

Um mich weiter zu motivieren, habe ich einiges probiert. Als erstes nahm ich mir vor Routinen in meinen Arbeitsalltag einzubauen. Vor allem regelmäßige Pausen und Erholungszeiten waren wichtig - das vergessen Selbstständige häufig in Ihren Alltag einzubauen. Anfänglich spazierte ich in meiner Pause zum Bäcker, aß zu Hause mein Mittagessen und setzte mich dann wieder an den Laptop. Trotz dieser Pausen und der frischen Luft konnte ich dauerhaft meine Unzufriedenheit nicht eindämmen. Ich merkte einfach, dass ich am effektivsten arbeiten kann, wenn ich unter Leuten bin. Ich habe dann versucht mit meinen Kunden zu vereinbaren, dass ich während das Projekt läuft, in deren Büroräumen arbeiten kann. Das war zwar nicht immer möglich aber häufig klappte es.

Egal wie lange ein Projekt lief - als Freelancer war ich immer ein "eingekaufter Kollege" und nicht wirklich Teammitglied. Als Experte für Event und Projektmanagement wurde ich ja auch für meine Leistung gebucht und nicht als neue Kollegin des bestehendes Teams.

Mit der Zeit spürte ich immer mehr den Drang nach einer beruflichen Wertschätzung. Du wirst für deine Leistung gebucht und musst abliefern. Danach kommt nicht unbedingt ein Danke, ein "Hast Du super gemacht" oder "ohne Dich wäre es nicht so erfolgreich geworden" -  warum auch? Ich wurde als externe Expertin für die professionelle Dienstleistung gebucht, nicht dafür, dass mir ein Kunde  sagt, wie toll er mich findet. Einer meiner Werte ist aber Wertschätzung. Ich strebe danach, beruflich wie privat und spürte immer mehr, wie mich die fehlende berufliche Wertschätzung trifft.

Auch eine große Kunst in der Selbstständigkeit ist es, Projekte und Kunden zu akquirieren, die zu den eigenen Werten passen. Das ist anfänglich nicht leicht und erstmal muss ja auch Geld reinkommen. Referenzen und Empfehlungsmarketing sind ein Muss und Erfahrungen in verschiedenen Sparten sind immer von Vorteil. Mit jedem Projekt, mit jeder Kundenanforderung lernte ich  dazu und wusste immer mehr, wo meine Leidenschaft liegt, bzw. womit ich mich nicht arrangieren konnte.

Als mir bewusst wurde, dass ich Projekte nicht annahm, die lukrativ waren aber mich nicht wirklich packten, spürte ich, dass ich etwas ändern muss. Mehr und mehr fühlte ich das Verlangen meine Selbstständigkeit zu beenden um wieder 100% für meine Werte, meine Leidenschaft und ein Produkt/Dienstleistung arbeiten möchte, welches zu mir passt.

So richtig greifen konnte ich das Gefühl erst um die Weihnachtszeit. Ich hatte viel frei und konnte mich ganz auf mich konzentrieren. Als ich endlich laut aussprach, dass ich die Selbstständigkeit beenden möchte um wieder in einer Festanstellung zu arbeiten, fühlte es sich wie eine Befreiung an. Endlich auszusprechen, es laut zu hören wie ich mich fühle und warum der Weg zurück der Richtige für mich ist, war wirklich das einzig Richtige.

Nachdem die Entscheidung gefallen war, habe ich mir als Ziel gesetzt ab März oder April 2019 wieder in einer Festanstellung zu arbeiten. Während der freien Zeit wollte ich unbedingt wieder etwas machen, was mich erdet, glücklich macht und mein Herz wieder zum springen bringt.

Ende Dezember war ich mit einer Freundin beim Frühstücken und habe ihr von meinen Plänen erzählt. Sie ist auch selbstständig und konnte einige meiner Punkte und Gründe warum ich raus aus der Selbstständigkeit wollte, nachvollziehen. Es war ein sehr schöner Vormittag und ich konnte endlich wieder ehrlich zu mir und anderen sein. Als wir uns verabschiedet haben, sprang ich noch flink zur Toilette und las dort einen Aufruf, dass Personal gesucht wird. Sofort dachte ich, "JA - genau hier, genau das". Ich fragte also an der Theke ob sie aktuell noch suchen und stellte mich kurz vor. Ich glaube ich sagte sowas wie: "Hey, ich bin Ilka und ich liebe backen. Kann ich hier für Euch backen?" - erstmal große Augen aber dann ein zauberhaftes Lächeln und ich hatte nach einem persönlichem Gespräch den Job. Ich startete also im Januar bei der lieben Katha in der Shotgun Sister in Giesing und backte vortan jegliche Kuchen, Muffins, Banana Breads und fühlte mich unfassbar gut.

Bevor ich selbstständig wurde, kam mir immer mal wieder der Wunsch nach Handwerklichem Arbeiten. Ich stellte mir ganz romantisch vor, in einem zuckersüßen Cafe in der Backstube meine Kuchen zu backen, neue Rezepte auszuprobieren und mit viel Liebe zum Detail die Gäste mit neusten Kuchen Kreationen zu begeistern. Weiter verfolgt habe ich diesen Gedanken nicht, immerhin hat mir mein Beruf immer Spaß gemacht. Es war eher ein Plan für die Zeit, wenn ich mal Mama bin. Aber auf einmal war die Chance da und als ich in der Shotgun Sister nach einem so tollen Vormittag mit meiner Freundin die Stellenanzeige las - passte einfach alles zusammen. Zack - so kam ich doch zu meiner romantischen Vorstellung!

Ich habe insgesamt drei Monate in der Shotgun Sister gearbeitet, viel gebacken, Caterings mit organisiert und genoss meine Zeit unheimlich. Nebenher habe ich mich auf Eventmangement Stellen beworben und hatte interessante Gespräche. Da ich zu dieser Zeit so bei mir war und einfach nur glücklich - konnte ich sehr gut abwägen, auf welche Stelle ich mit meinen Werten passe und wo ich mit meiner Leidenschaft für den Beruf etwas bewegen kann.

Nach einem sehr schönen Gespräch mit Anita Wandinger, Besitzerin des AWA Hotels (AWA steht für Awareness, Women und Arts), sah ich mich bereits dort arbeiten. Ich wusste einfach - hier will ich sein - hier kann ich meine Erfahrung und mein Expertenwissen für Eventmangement komplett einbringen.

So war es dann auch. Im April startete ich als Senior Eventmanagerin im AWA Hotel und war für die Entwicklung der Eventprozesse, die Revovierung der Eventlocation und die Einbindung von Kooperationspartnern zuständig. Ich konnte meine kreative Ader wieder ausleben und erstellte Eventkonzepte, suchte die passenden Kooperationspartner und kümmerte mich um das Online Marketing. Ich war genau da, wo ich sein wollte - konnte all meine Energie in ein Produkt, basierend auf meinen Werten, vermarkten und mein Expertenwissen aus 6 Jahren Eventmanagement einbringen. So fühlt sich berufliches Ankommen an.

Ok, dieser Artikel ist nun um einiges länger geworden als ich anfänglich dachte. Ich hoffe Du hattest Freude beim Lesen. Bei Fragen zum Thema Selbstständigkeit, raus aus der Selbstständigkeit oder egal was Du wissen möchtest, melde Dich gerne bei mir.

Cheers, Ilka

PS: Vielleicht steckst Du ja gerade an einem beruflichen Wendepunkt und fühlst außer einer Unzufriedenheit nicht wirklich einen Plan oder eine Lösung diese zu beenden. Als Tipp möchte ich Dir mitgeben, lass Dir Zeit, überlege in Ruhe was es genau ist, was Dich unzufrieden macht und dann komm ins Handeln. Sobald Sätze laut ausgesprochen sind, Du selber hören kannst, wo Dein Weg hingehen soll, wird es leichter dieser Stimme zu folgen.

Hierzu gibt es zahlreiche gute Podcasts, zum Beispiel: Laura Malina Seiler, Langhaarmädchen, Was Helden tun, #Fuckeinfachmachen

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