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Placenta Praevia Totalis – und plötzlich heißt es Kaiserschnitt

Die letzten Wochen waren sehr emotional und turbulent für Christoph und mich. Wir mussten ein paar unschöne Informationen verdauen und uns auf eine neue Situation einstellen. Grundsätzlich kann ich das recht gut– vorausgesetzt ich habe ausreichend Zeit gehabt meine Gefühle zu zulassen. Erstmal bin ich sehr emotional und reagiere mit einem Gefühlsausbruch, dann fange ich an nachzudenken und alles zu sortieren. Sobald ich eine feste Meinung zu meiner Situation habe, kann ich darüber sprechen. Die emotionale und unsichere Ilka bekommen in der Regel nur zwei Personen mit – Christoph und mein Vater. Die beiden kennen mich in wirklich allen emotionalen Momenten. Ich fühle mich bei beiden auch in unsicheren Momenten so aufgehoben und geschützt, dass ich komplett loslassen kann und die schwache Seite zeige.

Throwback

Spazieren gehen habe ich während meiner Schwangerschaft sehr genossen. Vor dem Mutterschutz war ich regelmäßig am Wochenende früh morgens an der Isar unterwegs. Meine Lieblingsrunde, inklusive Kaffee To Go und schönen Podcast Momenten, dauerte ca. eine Stunde. Diese Zeit habe ich sehr für mich und meine Gedanken genutzt.

Und plötzlich war alles anders

Als der Mutterschutz losging habe ich das Spazierengehen am Morgen sogar fast täglich gemacht. Das klappte immer wunderbar und ich konnte die Zeit an der frischen Luft total genießen. Doch plötzlich war alles anders. Ich fühlte mich während meinen Spaziergängen zunehmend schlechter, musste Pausen einlegen und ab und an mit der Bahn nach Hause fahren. Das Ganze passierte innerhalb von wenigen Tagen. Ich ging davon aus, dass meine Senkwehen einsetzten und machte mir keine wirklichen Sorgen. Als ich mal wieder vormittags zu meiner Runde aufbrechen wollte, spürte ich schon, dass ich lieber nur zum Bäcker und dann wieder nach Hause gehen sollte. Zu Hause angekommen hatte ich ein sehr ungutes Gefühl und war froh, dass ich an diesem Tag einen Arzt Termin hatte.

Ich erzählte meiner Frauenärztin von all meinen Beobachtungen und Bedenken. Ich erzählte Ihr von dem enormen Druck nach unten und auch von ein paar weiteren Details. Alarmiert darüber schallte meine Frauenärztin nochmal sehr genau und stellte fest, dass meine Placenta über den Muttermund ragt. Bedeutet, dass der Mutterkuchen direkt vor dem Muttermund liegt und dem Baby den Weg, tief ins Becken versperrt. Sie erklärte mir, dass ich mit einer sogenannten Placenta praevia totalis mein Baby nicht mit einer Spontangeburt zur Welt bringen kann. Sie überwies mich in die Geburtsklinik zur genauen Untersuchung, bzw. Bestätigung Ihrer Diagnose und zur Besprechung zum weiteren Verlauf.

Totale Unsicherheit und Enttäuschung

Wie konnte das sein? Warum passiert mir das? Wieso wird mir die Erfahrung auf eine Spontangeburt genommen? Diese Fragen hatte ich in den ersten Momenten. Ich war so traurig, so enttäuscht und vor allem verunsichert. Wie konnte all das erst in meiner 35 Schwangerschaftswoche festgestellt werden? Ich fühlte mich so hilflos in diesem Moment und war sehr emotional. Auch wenn meine Frauenärztin sich nicht festlegen wollte, für mich war ab diesem Moment klar, dass hier etwas nicht stimmt. Meine körperlichen Beschwerden waren einfach nicht mehr mit normalen Schwangerschaftsbeschwerden vergleichbar. Zum Glück ging es Baby Assmann weiterhin prima. Alle Werte waren top und er war wie immer sehr aktiv. Darüber musste ich mir also keine Sorgen machen. Meine Ärztin verordnete mir Ruhe, ich sollte mich schonen, kein Sport und keine langen Spaziergänge mehr machen.

Drei Tage später fuhren Chris und ich dann ins Krankenhaus. Wir waren ziemlich angespannt aber auch froh, eine finale Aussage über die Situation zu bekommen. Vor dem Termin hatten Chris und ich die Zeit genutzt, um uns mit der neuen Lage auseinanderzusetzen. Wir hatten schöne Gespräche über die bevorstehende Geburt und langsam konnte ich mich mit dem Kaiserschnitt anfreunden. Vor allem auch, weil Chris mir ganz offen seine Gefühle zum Kaiserschnitt erklärt hat. Ihm sei es sogar lieber so. Er meinte, er könne mir besser helfen. Er wüsste mehr, was er machen kann, wie lange es dauert, wäre nicht so hilflos wie bei einer Spontangeburt.

So langsam erkannte ich auch die Vorteile, die ein geplanter Kaiserschnitt haben kann – übrigens ist das hier vollkommen wertfrei für andere Frauen und Geburtserlebnisse. Hier geht es ausschließlich um Chris und meine Situation.

Placenta Praevia totalis – keine Chance auf eine Spontangeburt

Die Untersuchung hat eine junge, sehr herzliche Ärztin durchgeführt. Um Ihre Diagnose zu bestätigen holte Sie eine weitere Frauenärztin andere dazu. Nun war es klar, final und unumgänglich! Ich hatte eine Plazenta Praevia totalis. Das bedeutet, die Plazenta liegt komplett über dem Muttermund und versperrt dem Baby den Weg. Ein Kaiserschnitt ist nicht verhandelbar.

Jetzt ging es nur noch um das Datum. Das ist schon verrückt, da fragen dich die Ärzte welches Datum und welche Uhrzeit am Vormittag einem recht wäre. Da entscheidet man über solch ein immens wichtiges Ereignis. Verrückt. Als wir uns mit der Ärztin auf ein Datum, 10 Tage vor Geburtstermin geeinigt hatten, witzelten Chris und ich schon rum und fanden die ganze Situation ziemlich abgefahren. Naja, nicht mehr lange.

Wir holen Ihr Baby in zwei Wochen

Es kommt ja doch häufig anders, als man denkt. So auch bei uns. Die nette Ärztin kam nach einem kurzen Gespräch mit dem Oberarzt wieder und bat Chris und mich in einen Besprechungsraum. Sie entschuldigte sich als erstes bei uns und sagte, dass Sie nie hätte das Datum 10 Tage vor Geburtstermin mit uns besprechen dürfen. Es gibt Leitlinien in der Klinik, die bei einer Diagnose wie meiner genau vorschreiben, wann das Baby geholt werden muss. Baby Assmann sollte bereits am 23.12.2019 zur Welt kommen! Das war ein totaler Schock für Chris und mich. Ich war komplett verwirrt und konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Das war in weniger als zwei Wochen. Ich konnte es überhaupt nicht fassen und dachte nur noch daran, dass der kleine Wurm doch noch so klein und zart sei. Jeder Tag im Mami Bauch zählt und ich wollte ihm einfach so lange wie möglich die Chance geben, dort zu bleiben und sich alle Energie zu holen, die er für das Leben braucht.

Tränen trocken, tief atmen und Verantwortung übernehmen

Als ich mich wieder gefangen hatte, haben wir uns alles in Ruhe erklären lassen. Die Gefahr bei einer Plazenta direkt vor dem Muttermund ist folgender: Sobald das Baby tief ins Becken rutscht können die Wehen ausgelöst werden. Die Gefahr, dass der Kopf des Babys zu stark auf die Plazenta drückt und diese dadurch anfängt zu bluten, ist zu hoch. Das Risiko für das Baby und die Mutter ist zu groß. Daher wartet man nur, bis das Baby gesetzlich nicht mehr als Frühchen gilt – das ist in der Schwangerschaftswoche 37 plus 0. Die Ärztin war sehr fürsorglich und ausgesprochen einfühlsam. Durch Ihre herzliche Art hat Sie uns zu verstehen gegeben, dass wir als Eltern das Datum innerhalb der 37 Schwangerschaftswoche selbst wählen können. Es muss nicht der 23.12. sein. Wir könnten uns einen anderen Tag, innerhalb dieser Woche, aussuchen – aber keine weitere Woche schieben. Da in dieser Woche mehr Feiertage und Wochenendtage als Werktage sind, blieb uns noch der 27.12.2019 als Alternative. So soll es sein – unser Baby wird am 27.12.2019 bei uns sein.

Falls ich vor dem Termin Wehen bekommen sollte, müssen wir direkt ins Krankenhaus, da die Ärzte dann abwiegen, ob der kleine Assmann sofort geholt werden muss.

Was wirklich zählt

Am Ende des Tages zählt nur die Gesundheit von Baby Assmann. Am Ende des Tages ist es egal wie er seinen Weg zu uns findet- Am Ende des Tages ist nur eins wichtig, wir werden eine Familie.

Ein geplanter Kaiserschnitt hat Vorteile. Wir wissen wann wir unseren Mini Assmann in den Armen halten können, wann wir ihn sehen und riechen können. Wir können die Zeit bis dahin komplett für uns als Paar nutzen. Ich kann mich nochmal auf mich konzentrieren, schöne Dinge nur für mich machen und ein paar To Do´s von der Liste streichen. Wir werden es uns einfach traumschön machen und super Date Nights hinlegen.

Wie vorab geschrieben, wenn ich meine Emotionen einmal richtig rauslasse und mich dann sortiere, kann ich mich gut auf Neues, auch unschönes einstellen. Ich bin niemand der sich lange mit negativen Sachen auseinandersetzt, nachtragend ist oder in der Vergangenheit lebt. Ich vergleiche mich nicht mit anderen. Meine Situation ist meine und für mich die Besondere – nicht die eines anderen Manschens. Diese Einstellung hilft mir, mich schnell zu festigen.

Erstmal alle Emotionen rauslassen gehört zwingend dazu, damit ich zu diesem Punkt zu komme. Ich kann Dir nur raten, wenn Du in einer ähnlichen Situation steckst, schau nach vorne. Mach Dir jeden Moment schön – das geht! Versuche negative Stimmungen nicht lange in Dir zu tragen und mach Dir Deinen Moment mit etwas Schönem wieder positiv. Ob dies eine Zimtschnecke oder Schokolade ist – ob es ein Kinobesuch oder ein Netflix Abend, ob es die Badewanne oder eine Kosmetik Behandlung ist – egal. Du wirst Dich kennen und wissen was Dir in unschönen Momenten am meisten hilft und dann scheu Dich nicht, genau das zu tun. So mache ich das immer.

Da ich in diesem Artikel das Kaiserschnitt Datum nenne, kommt der Artikel auch erst nach der Geburt von Mini Assmann online. Geschrieben habe ich diesen allerdings bereits drei Tage nach der Diagnose im Krankenhaus. Mein lieber Christoph hat mich dann auf die Idee gebracht eine Bucket List zu erstellen, welche mir die letzte Countdown Phase versüßen soll. Ich fand die Idee sofort spitze und habe mich drangesetzt. Der Artikel zur Bucket List ist bereits seit dem 15.12.2019 online – ohne Details zur Diagnose.

Ich freue mich über Dein Feedback oder Deine Fragen zu dem Thema.

Liebe Grüße, Ilka

PS: Nachtrag. Dieser Artikel kommt jetzt online – Baby Assmann ist bereits seit Freitag, 20.12.2019 auf der Welt. Alles musste auf einmal sehr schnell gehen und sobald wir daheim sind und zur Ruhe kommen, werde ich darüber berichten.

Ein Kommentar

  • Sandra

    Liebe Ilka, lieber Christoph,

    wir gratulieren Euch von Herzen zu Eurem Babyglück!!!!
    Ein Dezemberbaby – wie wundervoll!
    Ich hoffe sehr, dass ihr eine wundervolle Geburt hattet. Letztendlich ist es doch völlig wurscht, wie diese kleinen Engel zur Welt kommen. Das aller, aller wichtigste ist, dass sie hier sind. Und das gesund und munter!
    Ich hoffe ihr seid alle wohlauf und dass ihr Eure Kennenlernzeit in vollen Zügen genießt.
    Ein gesundes Kind zur Welt zu bringen, das ist doch das einzig wertvolle auf dieser Welt.

    Liebe Ilka,
    lass dich verwöhnen, genieße jede Sekunde, atme den Duft deines Schatzes ein und kuschel was das Zeug hält. Dieses Gefühl ist für die Ewigkeit. Ich freue mich so unendlich für euch. Oft fragt man sich im Leben wo endlich die Wunder bleiben… doch da sind sie ❤️

    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH 🎊

    Sandra, Server und Sue

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